THERAPIE
Ursache und Erscheinungsbild der Legasthenie oder Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) sind verschieden. Neben organischen Behinderungen können Wahrnehmungsschwächen, Sprachstörungen, kognitive Funktionsmängel, motivationale Lernhemmungen und Lernschwierigkeiten aufgrund äußerer und innerer Bedingungen für ihr Entstehen verantwortlich sein. Da Lesen und Schreiben grundlegende Kultur- und Sozialisationstechniken sind, auf denen unser Bildungssystem entscheidend aufbaut, macht sich eine LRS, gleich wie sie zustande gekommen ist, meist schon bald nach der Einschulung eines Kindes als erhebliches Hindernis für seine Lern- und Bildungschancen geltend. Leistungskonkurrenz und Leistungsbeurteilung in der Schule schaffen für Kinder mit auffälligen Schwierigkeiten im Schriftsprachlichen eine stark belastende Situation, die das Selbstwertgefühl und die Lernmotivation dieser Kinder zusätzlich schädigen kann.
Es lassen sich innerhalb des Therapieverlaufs drei Inhaltsbereiche formulieren:
| Erstes Teilziel: |
Verbesserung der Leistungsmotivation und des Arbeitsstils im Bereich des Lesens und Schreibens; Misserfolgserlebnisse und Schulmüdigkeit müssen kompensiert werden.
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| Zweites Teilziel: |
Schulung der orthographisch relevanten Wahrnehmungsfähigkeiten und Artikulationstechniken. Einhergehend mit der Erfahrung von Kompetenz bezüglich orthographischer Gesetzmäßigkeiten und durch den hierdurch eingeleiteten Abbau angstindizierter Fehlleistungen muss die Selbstsicherheit gefestigt werden, um die Anwendung der gelernten Operationen in Stress- und Prüfungssituationen zu erreichen.
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| Drittes Teilziel: |
Der letzte und oft langwierigste Schritt ist schließlich der von der bewussten Anwendung zum automatisierten Verarbeitungsprozess.
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Stärkung der Motivation und des Selbstvertrauens
Grundvoraussetzung für unsere Arbeit sind Umstände, die das Vertrauen des Klienten zum Therapeuten und die Motivation zum eigenen T'herapieerfolg fördern. Dazu gehört selbstverständlich die Vermeidung aller Formen des Leistungsdrucks und emotional belastender Situationen in der Therapie. Der Umfang der Therapie ist einheitlich: im Allgemeinen findet einmal wöchentlich eine Therapiesitzung statt. Sie wird durch ein häusliches Trainingsprogramm begleitet und fortgesetzt.
Sprachwissenschaftlich begründete Vermittlung der Schriftsprache
Das in der Therapie schwerpunktmäßig praktizierte Verfahren der Lautanalyse ist eine Methode des Schrifterwerbes, welche einerseits die allmähliche Zerlegung der Klanggestalt eines Wortes in seine Sprachlaute und deren Varianten schult. Andererseits ist das zu verschriftende Wortmaterial so ausgewählt, dass jeder seiner artikulierten Sprachlaute nur eine festgelegte Zuordnung in der Schrift hat (Vermittlung des Konzeptes der "Lauttreue"). Erst dann und darauf aufbauend kann die Notierung davon abweichender Schreibweisen entwickelt werden. Es handelt sich hierbei um eine hoch komplexe Verarbeitung aufgenommener visueller und auditiver Informationen aus dem gesprochenen Wortmaterial (nicht lediglich um ein Memorieren von Wortbildern). Das System dieser Informationsverarbeitung ist bei dem zu behandelnden Klientel nur sehr rudimentär vorhanden, muss somit sukzessive entwickelt werden.
Das LautAnalytische RechtschreibSystem (LARS) bildet hier einen Teilbereich des Behandlungskonzeptes (LARS ist eine Entwicklung des Kinderzentrums für Entwicklungs- und Lerntherapie Bochum/Dortmund).
Förderdiagnostik als Basis einer erfolgreichen Therapie
Bedingung für den Erfolg dieses Verfahrens ist selbstverständlich, dass bereits die Legasthenie-Diagnose die Prüfung enthält auf welcher Stufe der orthographischen Probleme die Fehlleistungen des Klienten einsetzen und auf welche Störungen die Schwierigkeiten zurückzuführen sind ( qualitative Fehleranalyse). Die fortlaufende Beobachtung während der Therapie ergänzt diese Einschätzung, so dass durch angepasste Lernschritte sehr bald Erfolgserlebnisse erreicht werden.
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